Politikberatung: Zwischen Wissenstransfer und Lobbying

Die immer größer werdende Komplexität wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse macht Beratung für die Politik notwendig, ob von Universitäten, parteinahen Stiftungen oder auch durch Verbände, spezialisierten Unternehmensberatungen (auch Agenturen) und Einzelberatern.
Der Begriff Politikberatung ist dabei nicht eindeutig definiert und abgrenzbar, sondern Sammelbegriff für ganz unterschiedliche Disziplinen: Zwar bezeichnet Politikberatung ursprünglich den Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die politische Praxis. Doch Politikberatung wird heute u. a. auch für wissenschaftliche Beratung, Lobbying, Public Affairs oder auch Government Relations verwendet.
Analog zum nicht eindeutig abgrenzbaren Begriff ist Politikberatung als Berufsbezeichnung in Deutschland immer noch relativ unbekannt. Dabei kann zwischen einer nebenberuflichen (u.a. Think Tanks, Stiftungen, Gremien) und hauptberuflichen (u.a. Agenturen, Unternehmensberatung) Beratungsleistung unterschieden werden. Im Gegensatz zum Universitätsprofessor, der nebenberuflich in eine Regierungskommission oder sonstiges politisches Gremium als Berater berufen wird, ist ein professioneller Politikberater Dienstleister im politischen Arbeitsumfeld: Politikberatung kann sowohl zu politischen Inhalten, Organisation und Prozessen stattfinden, aber auch Politische Kommunikation umfassen. Politikberater begleiten dabei Projekte für ihre Auftraggeber häufig im Hintergrund. Sie vermitteln Informationen und Beziehungen zwischen Politik, Wirtschaft, gesellschaftlichen Organisationen, Öffentlichkeit aber auch Wissenschaft und politischer Praxis. Politikberatung erfordert deshalb eine besondere Sensibilität und Transparenz in der Ausübung des Berufs: Einerseits stehen die Interessen des Auftraggebers im Mittelpunkt, andererseits muss die Anerkennung demokratischer Prinzipien zentraler Ausgangspunkt für Politikberatung sein.
Politikberatung in Deutschland ist in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor recht einseitig bei Wahlkampagnen oder reiner wissenschaftlicher Beratungsleistung angesiedelt. Durch eine zunehmende Europäisierung deutscher Politik und internationale Einflüsse z.B. aus den USA in Verbindung mit immer rasanteren gesellschaftlichen Veränderungen, wird sich Politikberatung immer weiter ausdifferenzieren, wodurch sich neue Aufgabenfelder der Politikberatung ergeben.

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